Fleisch essen ohne Reue, geht das?

Wie Du ohne schlechtes gewissen Fleisch essen kannst

von Anita Leuthold

Neulich fragte mich meine Freundin Olivia: „Sag mal Anita, Du engagierst Dich doch für gesunde und nachhaltige Ernährung. Ich bin da so unsicher. Kann ich eigentlich überhaupt noch bedenkenlos Fleisch essen?“

Sie war hin- und hergerissen und wollte von mir wissen, ob es ausreicht, nur weniger Fleisch zu konsumieren oder ob man ganz auf Fleisch verzichten muss, um nachhaltig und gesund leben zu können…

Ich erinnerte mich an einen Besuch bei unserem Kerngrün-Partner Adrian Rubi vom Halterhus in Ruswil LU. Dort hatten wir genau diese Thematik ausführlich besprochen. Ich antwortete meiner Freundin mit einem: „Ja, aber…!“

KernGrün-Produzent Adrian Rubi ist das perfekte Beispiel für nachhaltige und artgerechte Fleischproduktion. Bei ihm gehen Lebensmittelproduktion Hand in Hand mit Umweltschutz und Erhaltung der Biodiversität. Seine Aubrac-Mutterkuh-Herde verwertet nur hofeigenes Futter und die Kälber bleiben über 10 Monate in der Herde integriert …aber sieh´selbst und erfahre mehr!

Geschmackvolles und gesundes Fleisch aus artgerechter Haltung, das geht!

Meine Meinung zur Frage meiner Freundin ist differenziert. Ich persönlich esse kaum Fleisch, möchte aber auch nicht komplett darauf verzichten. Wir im KernGrün-Team verstehen und unterstützen alle, die sich für eine vegetarische Ernährung entschlossen haben oder konsequent vegan sind.

Hier in unserem Shop findest Du eine Menge vegane Produkte

Das Thema Fleischkonsum wird in unserer Gesellschaft kontrovers diskutiert. Es gibt zahlreiche gute Argumente für den Fleischverzicht. Es ist aber auch möglich, Fleisch zu konsumieren und trotzdem ethische und ökologische Werte zu berücksichtigen. Daher fasse ich für Dich hier die wichtigsten Standpunkte nochmals zusammen.

Es gibt gute Gründe, komplett auf Fleisch zu verzichten

  • Tierwohl
    Ein Grossteil der tierischen Produkte stammt heute aus Massentierhaltungen, um möglichst viel und günstig zu produzieren. Die wahren Kosten tragen die Tiere, denn sie können ihre Bedürfnisse nicht oder kaum ausleben. Ein Tier ist aber keine Produktionsmaschine, sondern ein Lebewesen! Aus diesem Grund verzichten viele Menschen bewusst auf den Konsum von Fleisch und anderen tierischen Produkten.
  • Gesundheit
    Eine fleischlastige Ernährung auf Dauer ist schädlich für unseren Organismus und fördert Krankheiten wie Rheuma, Gicht, Erkrankungen des Herzkreislauf-Systems und des Verdauungstraktes etc..
  • Ressourcen
    Fleischproduktion verbraucht – wenn es sich um eine intensive Haltung / Produktion handelt – viele Ressourcen in der Herstellung und durch die Lieferwege. Der Wasserverbrauch, der CO²- und Methan-Ausstoss, der Energie-Verbrauch und der Anbau von Kraftfutter führen zu keiner akzeptablen Umwelt- und Klimabilanz.
  • Futtermittel
    Die Futtermittelproduktion für die Massentierhaltung bringt drastische Folgen mit sich: Umweltverschmutzung, die Rodung riesiger Waldflächen, zerstören wichtige Lebensräume für Pflanzen und Tiere. Hinzu kommt, dass die meisten Futtermittel durch die Zugabe von Pflanzenschutzmitteln wie Fungiziden und Pestiziden, chemisch belastet sind.
  • Grundwasser
    Die in der Massentierhaltung anfallenden Güllemengen werden als Dünger auf Feldern ausgebracht und belasten unser Grundwasser durch Nitrate und andere schädliche Stoffe.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch Gründe dafür, gesundes und artgerecht produziertes Fleisch zu essen

  • Grasland Schweiz
    Unsere schöne Schweiz hat viele landwirtschaftliche Flächen, die für den Ackerbau zu steil oder für den Gemüseanbau ungeeignet sind. Um diese Flächen trotzdem für die Nahrungsmittelproduktion zu nutzen, macht eine extensive Tierhaltung Sinn. Die durch Viehhaltung bewirtschafteten Flächen verbuschen und verwalden nicht. Sie strukturieren die Landschaft, was sich positiv auf die Biodiversität auswirkt und eine kostenintensive Pflege unnötig macht.
  • Gesundheit
    Zu viel Fleisch ist ungesund, aber eine ausgewogene Ernährung durch Fleisch ergänzt, ist wiederum gesund. Fleisch ist nährstoffreich und beinhaltet neben Eiweiss, Eisen auch Vitamin A und E. Besonders das lebenswichtige Vitamin B12 kommt in ausreichenden Mengen nur in tierischen Erzeugnissen vor. Die einfache Aufspaltung der Nährstoffe macht Fleisch zu einem hervorragenden Energielieferanten.
  • Genuss
    Der Geschmack von Fleisch ist ebenso wie die Textur, also das Mundgefühl, unvergleichlich. Wir Menschen „schmecken“ süss, sauer, bitter, salzig, scharf und umami. Umami, das ist diese typische fleischige Geschmacksnote die alternativ nur einige Pilze, Soja-Sauce und ähnlich Fermentiertes ersetzten können. Hinzu kommt die Maillard-Reaktion, also die Bildung von Röststoffen durch einen Karamellisierungsvorgang beim Anbraten und Garen auf hoher Hitze. Diese Röststoffe sorgen für das Geschmacks- und Geruchserlebnis wie wir es zum Beispiel vom Grillieren her kennen und lieben.

Wir möchten denjenigen Personen, die gerne ab und zu Fleisch essen, eine Möglichkeit bieten, das auf gesunde und möglichst ethische Art zu tun.

Limitiertes Aubrac Jungrind Mischpaket

Bestes Fleisch aus nachhaltiger & artgerechter Tierhaltung

Das Aubrac-Fleisch ist zart, hat eine feinfaserige Marmorierung und einen einzigartigen Geschmack. Nächster Liefertermin für das Fleisch vom Halterhus ist am 5. Mai 2021. Die Pakete sind als 5kg oder 10kg Paket erhältlich und gemäss deinem Wunsch portioniert.

 

Orientierungshilfe für einen bewussten Fleischkonsum

  1. Herkunft
    Lege Wert darauf, dass die Tiere für deinen Fleischkonsum von Betrieben in deiner Nähe stammen. Ich selbst kaufe mein Fleisch nur von Bauern und Bäuerinnen, die ich persönlich kenne und von denen ich weiss, dass sie alles tun, damit es ihren Tieren gut geht.
  2. Haltung
    Achte darauf, dass die Tiere in einer Muttertier-Haltung mit Weidegang aufwachsen. Bei Rindern zum Beispiel bleiben Kälber und Kühe bei dieser Haltungsform über einen Zeitraum von 10 Monaten bis zu einem Jahr zusammen und werden nicht, wie oft üblich, getrennt gehalten. Die Muttertier-Haltung ist die natürlichste Art bei der Aufzucht und Haltung, um dem Tierwohl gerecht zu werden.
  3. Fütterung
    Die Fütterung spielt eine wesentliche Rolle für gutes und gesundes Fleisch, das Du nachhaltig und ohne Bedenken konsumieren kannst. Du solltest hier darauf schauen, dass die Tiere, deren Fleisch Du verzehren möchtest, kein Kraftfutter erhalten. Ich lege bei meiner Fleischwahl Wert auf eine hofeigene Graslandfütterung. Das Fleisch dieser Tiere hat einen tieferen Cholesterin-Wert und zudem höhere Anteile an Vitaminen. Zudem hat die graslandbasierte Fütterung den schönen Nebeneffekt einer geschlossenen Kreislaufwirtschaft.
  4. Schlachtung
    Wenn Du Fleisch essen möchtest, muss ein Tier sterben. Dies sollte Dir immer bewusst sein. Je kürzer der Transportweg zum Metzger, desto besser. Wenn sogar vor Ort auf dem Betrieb getötet werden kann (Weideschlachtung), ist dies das Optimum. Läuft die Schlachtung über den Grosshandel, sind die Anfahrtswege oft lang und Tiere mehrerer Betriebe werden zusammen transportiert. Das stresst die Tiere unnötig vor ihrem Tod.
  5. Zertifizierung
    Achte auf Labels. Wenn Du dein Fleisch nicht direkt beim Erzeugenden kaufen kannst und auf den Supermarkt angewiesen bist, greife zu Bio Suisse oder Demeter-zertifizierten Angeboten. Ich empfehle Dir bei deinem Kauf auf die Labels Natura-Beef und KAGfreiland zu vertrauen. Eine Übersicht zu den verschiedenen Labels findest Du auf essenmitherz.ch.
  6. Preis
    Gutes Fleisch hat seinen Preis. Fleisch ist eine Delikatesse in unserer Ernährung und kein Sonderangebot zur Schonung des Portemonnaies. Das wusste und lebte die Generation unserer Grosseltern noch, wo der Sonntagsbraten ein Höhepunkt und Fleisch an sich eine Ausnahme und Abwechslung auf dem Speiseplan war.
  7. Nose-to-Tail
    Es muss nicht immer das Filet sein – Die Abwechslung macht’s! Ein Rind besteht nicht nur aus Filets. Probiere auch mal andere Teile und verwerte auch unbekanntere Fleischstücke (Stichwort Nose-to-tail). Richtig zubereitet sind sie ebenso fein und bringen erst noch Abwechslung in deine Küche.

Je weniger Fleisch Du isst, desto nachhaltiger ist dein Lebensstil

Klar ist: Wer kompromisslos natürlich, nachhaltig und fair leben und konsumieren möchte, der sollte seinen Fleischkonsum sehr stark reduzieren. In der Schweiz essen wir im Durchschnitt pro Kopf 50 kg Fleisch pro Jahr. Das ist ca. 1 kg pro Woche. Ernährungsfachleute empfehlen nicht mehr als dreimal in der Woche Fleisch zu essen und hierfür eine Menge von insgesamt 300 bis maximal 500 Gramm nicht zu überschreiten.

Du siehst, es gibt einiges zu beachten, wenn Du Fleisch mit Rücksicht auf Tier und Umwelt geniessen willst. Hältst Du Dich aber an den beschriebenen Tipps fest, ist das eine Möglichkeit bewusst und so nachhaltig wie möglich Fleisch zu essen.

En Guete! Deine Anita

 

Wenn Du zukünftig weitere interessante Artikel rund um das Thema kompromisslose Natürlichkeit, Nachhaltigkeit und Fairness lesen willst, dann trage Dich hier in unseren Newsletter ein…

 

Quellen:

Daley et al. (2010). A review of fatty acid profiles and antioxidant content in grass-fed and grain-fed beef. Nutrition Journal 9:10.

ETH Zürich (2016). Fleisch essen oder nicht? Zukunftsblog. Abgerufen am 14. Januar 2021 unter https://ethz.ch/de/news-und-veranstaltungen/eth-news/news/2016/06/fleisch-essen-oder-nicht.html

Schweizer Bauernverband (k.a.). Nutztierhaltung. Abgerufen am 15. Januar 2021 unter https://www.verantwortungsvolle-landwirtschaft.ch/de/verantwortungsvoll-in/futtermittel.html

Statista (2020). Pro-Kopf-Konsum von Fleisch in der Schweiz in den Jahren 1980 bis 2018. Abgerufen am 17.12.2020 unter https://de.statista.com/statistik/daten/studie/289128/umfrage/pro-kopf-konsum-von-fleisch-in-der-schweiz/

WWF Schweiz (2016). Umweltgerecht essen. Der Erde zuliebe. Factsheet. Abgerufen am 15. Januar 2021 unter https://www.wwf.ch/sites/default/files/doc-2017-09/2016-06-lehrmittel-faktenblatt-ernaehrung.pdf

Was meinst Du dazu? Schreibe einen Kommentar!

Passende Produkte

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.

Weitere Blogbeiträge

Menü